Montag, 9. September 2019

Rosenwasser als Rupfermittel ?

Ich las in einem mittlerweile nicht mehr existierendem Forum diesen “Rezept-Tipp”, der angeblich bei rupfenden Papageien helfen soll.

Wenn mir etwas merkwürdig vor kommt, dann sage ich das auch, wenn mir das nicht ganz "astrein" vorkommen würde. Auch ein User erkundigte sich nach dem Wirkprinzip in diesem Fall, aber erhielt keine Antwort. Es bleibt also zu vermuten, dass dieses Mittel auch nur woanders aufgeschnappt wurde, und unreflektiert wieder gegeben wurde.

Grund, sich die Bestandteile näher sich anzusehen ? Bei grundsätzlich allen sogenannten “Rupfermittel” bin ich doch recht vorsichtig, und schaue mir die Zutaten genau an. Das sagt schon eine Menge aus, selbst wenn man die genaue Zusammensetzung eines Mittels nicht en Detail kennt.

Bedenken Sie, dass Naturheilkunde, und alles was damit zusammen hängt, grundsätzlich in die Hände von erfahrenen Therapeuten, also Tierheilpraktiker und Tierarzt, gehört. Tiere sind keine Versuchsobjekte.

Kommen wir nun zum eigentlichen “Rezept” . . .

A. Das Rezept

Es handelt sich um dieses Rezept:
  • 400-500 ml Aqua dest.
  • 1 TL Glycerin
  • 1 TL Rosenwasser
Diese Zutaten soll man mischen, und damit den rupfenden Papagei einsprühen.

B. Zutaten

Um herauszufinden, wie diese Mischung wirkt, muß man sich die Zutaten etwas genauer anschauen:

1. Aqua dest.

Destilliertes Wasser (von lateinisch: aqua destillata) ist Wasser ohne die im normalen Quellwasser / Leitungswasser vorkommenden Ionen, Spurenelemente und Verunreinigungen. Daher wird es als Lösungs- und Reinigungsmittel verwendet.

2. Glycerine

Wegen seiner wasserbindenden Eigenschaften ist Glycerin in Kosmetikartikeln als Feuchtigkeitsspender enthalten. Aber dieser Wirkstoff ist zum Teil auch umstritten, wie dieser Link zeigt: klick mich

3. Rosenwasser

Rosenwasser ist ein “Nebenprodukt” der Wasserdampfdestillation, in denen Rosenöl aus Rosenblüten gewonnen wird. Es wird auch als “Rosen-Hydrolat” bezeichnet.

Angeblich war es der Arzt Avicenna, welcher das erste Rosenwasserauf diese Art gewonnen hat, und es auch verwendet hat. Ob das so stimmt, kann ich nicht nachweisen.

Echtes Rosenwasser darf allerdings nicht mit einem Auszug (Mazerat) aus Rosenblüten verwechselt werden. Dieser Auszug kann nämlich selbst hergestellt werden, indem man die Blütenblätter mit destilliertem Wasser an einem warmen Ort für einige Tage ziehen läßt. Anschließend werden diese ausgepresst und die Flüssigkeit abgeseiht. Aus Haltbarkeitsgründen gibt man noch reiner Alkohol (aus der Apotheke) dazu.

Man sagt Rosenwasser einige Wirkungen nach:
  • Beruhigend Wirkung auf die Haut
  • erfrischende Wirkung auf die Haut
  • hautstraffende Wirkung
  • feuchtigkeitsspendende Wirkung
  • reinigende Wirkung
  • Verbesserung der zur Rötungen neigenden Haut
  • „nährende Wirkung“ auf das menschliche trockene und spröde Haar
  • Kompressen aus Rosenwasser wirken positiv auf geschwollene und müde menschliche Augen
  • desinfizierende Wirkung
Eliane Zimmermann schreibt in ihrem Blog folgendes:

Zitat:„Wird vor allem bei der Gesichtspflege (Cremeherstellung, Gesichtswasser, Tonerdemaske) verwendet und als äußerst wirksame Kompresse bei Entzündungen, vor allem der Augenbindehaut. Für fiebernde Kinder sind Auflagen mit zimmerwarmem Rosenhydrolat auf Stirn und Wangen geeignet. Zudem ist es eine gute Grundlage für Naturparfums. Es eignet sich sehr gut in einer kleinen Sprühflasche zum Erfrischen von Mensch und Raum. Bekannt ist es auch für die Marzipanherstellung und für viele nahöstliche Speisen. Zur Herstellung von Bachblütenmitteln ist es eine wunderbare Ergänzung, auch alleine genommen wirkt es harmonisierend auf gereizte Nerven, entspannend auf die Seele. Wegen der strengen gesetzlichen Bestimmungen bei der (Natur)Kosmetikherstellung werden Rosenhydrolate wegen der geforderten Keimfreiheit immer öfter mit Alkohol versetzt. Das Hydrolat ist nicht mehr so hautfreundlich, zudem haben Alkolkranke nicht mehr die Möglichkeit, es einzunehmen.“

Zusammenfassend können wir also sagen, dass Rosenwasser entzündungshemmend und hautberuhigend wirkt.

C. Einschätzung

  1. Beruhend auf den nachgesagten Wirkungen der Zutaten, könnte (nicht “muß”) das Mittel durchaus das Rupfen mildern. Ein Versuch ist es sicher wert, wobei ich eher zu anderen “Rupfertees” neige aufgrund des Glycerins.
  2. Weiterhin würde ich das Rosenwasser-Rezept nur als eine mögliche sinnvolle Ergänzung zu einer individuellen Therapie sehen. Auch das Umfeld hinsichtlich Haltung, Ernährung etc. muß man sich in jedem Fall anschauen und optimieren.

D. Diskussion erwünscht


Diskussionen / Erfahrungsaustausch zu diesem Artikel ist in meinem Forum erwünscht.

E. Interessante Links zum Thema Federrupfen

Deutschsprachig:  Englischsprachig:  Die Link-Listen sind nicht vollständig. Bei Interesse kann der geneigte Leser auch eine Suchmaschine benutzen. Besser ist es, veterinärmedizinische Fachliteratur zu lesen.

Hinweis im Sinne §3 HWG:

Um den gesetzlichen Anforderungen genüge zu tun, muß ich darauf hinweisen, was die Beiträge in diesem Blog angeht:

„Bei den vorgestellten Methoden sowohl therapeutischer als auch diagnostischer Art handelt es sich um Verfahren der alternativen Medizin, die naturwissenschaftlich-schulmedizinisch weder nachgewiesen noch anerkannt sind“. Die Seiten, auf denen Therapien beschrieben werden, dienen unter anderem der allgemeinen Information. Sie dienen nicht der Erteilung medizinischer Ratschläge, als medizinische Anweisungen als Aufruf zur Selbstbehandlung und sollten nicht als solche verstanden werden !

Bei weitergehenden Fragen sollten sie sich immer grundsätzlich zusätzlicher existenter Quellen informieren, also auch bei ihrem Apotheker, Hausarzt bzw. Tierarzt.


NICOLE  MÜLLER